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Am 10. August  erschien im Sportteil der AZ ein großer Bericht über Mehmet Scholl! Mir hat der Artikel so gut gefallen, dass ich ihn hier veröffentlichen möchte!

Für die Leute, die keine AZ bekommen und diesen Artikel verpasst haben! Aber auch für die Leute, so wie mich z. B., die diesen Bericht 1000 Mal lesen könnten! *g*

 

AZ-Sportreportage: Bayerns Spaß-Macher im Jahr eins nach Effenberg

 

Scholl. Ab heute darf er frei sein

 

Er ist 31. Er hat gelitten. Aber nun verheißt er wieder Gutes: Spielfreude

 

Er kennt das schon. Wenn der FC Bayern heute eine neue Saison beginnt auf dem Gladbacher Bökelberg, ruhen die Blicke und die Hoffnungen wieder einmal auf Neuen. Ze Roberto, Michael Ballack. Auf ihm eher weniger: Mehmet Scholl (31).

Er beginnt sein elftes Jahr in München, es wird wohl ein schweres werden für ihn. Zumindest ein wegweisendes für Scholl. Was der längst ahnt. Deshalb hat er noch vor der Weltmeisterschaft in Fernost seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft vollzogen, um die neue Saison ausgeruht und bestens präpariert anzugehen. Und getrieben von einer Aussicht, die Scholl gewiss nicht behagt: Sollte Super-Talent Sebastian Deisler wieder auf die Beine kommen, wird sich Scholl auf dem Weg über die Ersatzbank langsam in den Ruhestand absetzen müssen. Und auf ewig bleibt dann die Frage offen, wieso er kein Weltstar geworden ist, obwohl er dazu doch alle Voraussetzungen mitbrachte. Bis auf, wie viele meinen, den nötigen Ernst.

Wenn er redet, klingt das so, als wäre der Stimmbruch nur bis kurz vor den Tenorbereich gekommen und hätte ihm die tieferen Tonlagen vorenthalten. Er wäre durchaus geeignet, Rollen aus den Simpsons zu synchronisieren, was den Inhalt seiner meist originellen Sätze noch heiterer wirken lässt, als er ohnehin ist.

"Du bist ein großer Spieler – aber kein ganz großer"

Etwa im Frühjahr. Als die vorübergehend sehr indisponierten Bayern als satte und deshalb erfolglose Scampi-Kicker gegeißelt wurden, sollte sich auch Scholl zur Kritik äußern. "Was mich in den letzten Tagen am meisten beschäftigt hat," sagte er da, "ist meiner Frisur. Die ist nämlich Scheiße."

Wenn das Schmunzeln über solche Bemerkungen vergangen ist, entdeckt man, dass hinter seiner Flapsigkeit wie immer bei ihm eine clevere Grundhaltung steckt: Für die öffentliche Aufarbeitung kollektiver Probleme ist er nicht zu haben. Scholl spricht selten, und wenn, dann nur über Scholl. Das heißt nicht, dass er ein Egomane wäre. Er ist als dienstältester Bayern-Profi zu klug, um für andere Wort oder Partei zu ergreifen.

In einer Mannschaft dreht sich viel um Fragen der Zuständigkeiten, da mischt er sich nicht ein, dafür gibt es andere, die zwar weniger klug, dafür aber lauter sind. Das scheint nicht nur nach außen so zu gelten, sondern auch innerhalb der Mannschaft. Hätte sonst Manager Uli Hoeneß zu ihm gesagt: "Du bist ein großer Spieler, aber kein ganz großer. Dazu fehlt dir Machtbewusstsein." Da ist was dran.

Denn die Machtfrage hätte Mehmet Scholl eigentlich stellen müssen, letzte Saison. So lange der damalige Kapitän im Krankenstand war, gab es begeisternde Spiele. Als Stefan Effenberg zurückkam, gab er zwar den Chef, aber dem Spiel nicht die Andeutung von Impulsen. Er brachte die Kreativität zum Verkümmern, vor allem die von Mehmet Scholl. Und dass er daraufhin zum Langzeitverletzten wurde, würde sich als Thema zu einem psychologischen Forschungsauftrag fast aufdrängen: Folgt der Kapitulation des Kopfes auch die des Körpers?

Effenberg und Scholl, zwei, die nicht zu einander passten. Mehmet Scholl ist der komplette Gegenentwurf, das gilt für das Aussehen, das Benehmen, die Ausstrahlung und das Spiel. Selbst Bayern-Hasser, von denen es ja nicht wenige gibt, können an Scholl nicht einmal einen Ansatz von Arroganz entdecken.

Er kanzelt keine Journalisten ab, er nimmt sie höchstens mal augenzwinkernd auf den Arm. Er eckt nicht durch farbenprächtige Verstöße gegen die Bekleidungsetikette des Vereins an, obwohl sein Modebewusstsein eher jenseits von Blazer und gestreifter Krawatte beginnt, aber rote Lederhosen, das wäre ihm doch zu sehr Schickimicki, damit hat er nichts zu tun.

Am deutlichsten wird der Unterschied jedoch auf dem Platz. Scholl will, seit er vor 13 Jahren in die Bundesliga kam, erst beim Karlsruher SC, ab 1992 beim FC Bayern, gut in erster Linie aber schön Fußball spielen. Wenn Effenberg gut spielte, vielleicht sogar überragend, dann war das im Höchstfall erfolgreich. Aber schön ist anders. Effenbergs Auftritte waren immer mit der Provokation des Gegners und oft auch der Zuschauer verbunden, Scholl hat Respekt vor ihnen, will spielerisch den Gegner ins Abseits und die Zuschauer zufrieden stellen. Heute, ohne Effenberg, soll für Scholl eine Saison der Befreiung beginnen. Auch dafür hat er zuletzt gearbeitet.

Lange genug standen nebeneinander das enfant terrible und das enfant dribbling in einer Mannschaft – und sich im Weg. Da war der Fußball-Fan in der Bredouille. Er will den Erfolg, aber er will sich mit denen, die ihn erringen, auch identifizieren, wenn er sie nicht sogar lieben will. Sich mit einem Effenberg zu identifizieren, fiel schwer. Ihn zu lieben – unmöglich. Bei Scholl geht das sehr gut.

Ganz früh wurde das beim Zentralorgan der Zahnspangen-Generation entdeckt. Für "Bravo" wurde er, als er mit 19 in die Bundesliga kam, zum Glücksfall und Auflagenbringer. Riesenposter, Starschnitt, Interview-Serien, er war allein so begehrt wie ganze Boygroups, er konnte es in seiner publizistischen Wirkung leicht mit "Take that" oder den "Backstreet Boys" aufnehmen.

Mit dem Fußball ging es nicht ganz so rasant voran. Er hat 36 Länderspiele gemacht, aber an keiner WM teilgenommen. 1994 wurde er von Bundestrainer Berti Vogts nur "auf Abruf" nominiert, 1998 wegen einer Sprunggelenk-Verletzung nicht mit nach Frankreich genommen.

1996 wurde er immerhin Europameister, aber: "Ich habe lange genug versuch, ein wichtiger Spieler für die Nationalmannschaft zu sein." Den Rest des Satzes lässt er offen: Er ist dieser wichtige Spieler nicht geworden. Er hätte es ohne Zweifel werden können. Verletzungen haben es verhindert, Trainier, die seiner Spielweise nicht vertraut haben.

"Sobald ich mich quälen muss, ist Schluss"

Mehmet Scholl galt vielen als Filou, als einer, dem es an dem nötigen Erst mangelte. Seine ersten Jahre in München waren nicht ohne Turbulenzen. Sehr viel Alkohol und Disco, einschließlich einer schlagzeilenmachenden Schlägerei in Zürs am Arlberg. Wieder ein junger Mann, der frühen Ruhm und am schnellen Geld scheiterte, die Orientierung verlor? Auch die schnelle Scheidung (1996) einer frühen Ehe, ausgerechnet im Jahre der Geburt seines Sohnes, schien dafür zu sprechen.

In dieser Lebenskrise stand ihm Uli Hoeneß bei, der gar anbot, ihn bei sich zu Hause einzuquartieren. Für eine andere Einstellung zum Beruf sorgte ein neuer Berater, der Anwalt Axel Meyer-Wölden. Der Schock über dessen Tod und der Verlust der Mutter machten einen ernsteren, erwachsenen Menschen aus ihm. Im Spiel änderte sich nichts, er pflegte weiterhin diese Leichtigkeit, die des Unernstes verdächtig macht.

Das hat etwas zu tun, mit der Wertschätzung des sogenannten furor teutonicus, der immer noch durch die Köpfe geistert und gerade erst beim Erringen des Vize-Weltmeistertitels in Japan eine Renaissance erlebt hat. Und doch braucht der Fußball die Beckhams, Zidanes und Scholls, auch wenn dir Jeremies' oder die Metzelders unverzichtbar sein mögen wie das Netz unterm Trapez: nicht für die Kunst, sondern für die Sicherheit.

Deshalb wollte Rudi Völler Scholl in Fernost dabei haben. Der ließ seine letzte Chance auf eine WM-Teilnahme sausen und formulierte für die Bundesliga ein Ziel, das nach Abschied klingt: "Ich mache weiter, so lange ich auf einem hohen Niveau spielen kann. Sobald ich merke, dass ich mich quälen muss, ist Schluss." Das sollte noch ein wenig auf sich warten lassen.

Denn einer wie er ist nicht nur für die Zuschauer wichtig, sondern auch für den Berufsstand der Profis. Der kann die leise Intelligenz des Mehmet Scholl zur Verbesserung des Berufsbildes gut brauchen als Ausgleich zu der lauten und nimmersatten Ignoranz, für die nicht nur ein Effenberg steht. Und von der eine gewisse Freudlosigkeit ausgeht.

Da ist Scholl schon eine Wohltat, auf die der Fußball eigentlich nicht verzichten kann. Er hat zwar kein Machtbewusstsein, das ihn laut Hoeneß zu einem ganz großen Spieler machen könnte, aber das macht nichts. So ist er halt nur ein großer Spieler. Davon gibt's auch nicht allzu viele.

Ich hab Mehmet auf diesen Artikel angesprochen, da ich mir sicher war, dass er ihn nicht gelesen hat. So war es dann auch und ich hab ihm den Artikel gegeben. Er war total davon begeistert, dass so viel gutes und wahres über ihn geschrieben wurde. Und hat sich sehr gefreut.

Da kann ich mich nur anschließen und dem Autor ein Dickes Lob aussprechen! *g*

 

          

So stellt sich die Presse die Neue Bayern Stammelf vor! Ich muss sagen, gar nicht so übel oder? *gg*            

                              

                 

               

                                     

 



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